Arbeiten im Ausland: Chancen in Norwegen
Das Bildungszentrum des Handels Neuruppin (BZ) bereitet im Kurs "Arbeiten im Ausland" deutsche Fachkräfte auf eine Tätigkeit im europäischen Ausland vor. Einige in Deutschland wenig nachgefragte Berufe sind zum Beispiel in Norwegen sehr begehrt. Vor allem in den Bereichen Bau, Industriemechanik und Gesundheit haben Fachkräfte gute Chancen auf eine dauerhafte Arbeit.
Die Spanne der gesuchten Fachkräfte reicht dabei von Zimmermännern, Bautischlern, Automechanikern, Schweißern, Gas-Wasserinstallateuren, Teilezurichtern, Landmaschinenmechanikern, Straßenbauern, Steinsetzern und Rohrlegern bis hin zu Architekten und Bauingenieuren. Im Bereich Gesundheit sind es Ärzte, Krankenschwestern, Alten- und Heilerziehungspfleger. Aber auch Köche werden vermittelt.
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Julia Keil ist Ausbildungsbegleiterin und Lehrkraft für Norwegisch. Sie hat im Gespräch mit 20jahre.com die Nachfrage nach deutschen Fachkräften und die Besonderheiten des norwegischen Arbeitsmarktes erläutert: |
Die norwegischen Ölvorkommen haben wirtschaftlichen Aufschwung und damit Wohlstand gebracht. Deshalb wählen wohl junge Norweger eher akademische als handwerkliche Berufe. Zudem ist das Ausbildungssystem in Norwegen anders strukturiert: Lehrlinge durchlaufen eine hauptsächlich schulische Ausbildung, während deutsche Azubis die meiste Zeit in der Firma arbeiten. Diese praktische Erfahrung schätzen norwegische Arbeitgeber sehr. Der relative Wohlstand ermöglicht viele öffentliche und private Bauvorhaben, was wiederum den Bedarf an Bauarbeitern erhöht. Das Klima in dem gebirgigen und relativ kalten Land lässt die Infrastruktur, wie etwa Straßen, schnell verschleißen. Das erhöht ebenfalls die Auftragslage. Der Mangel an Fachkräften im Gesundheitswesen ist nicht so einfach zu erklären. Keil vermutet, dass viele junge Norweger psychisch belastende Berufe eher meiden, wenn es in anderen Branchen attraktive Ausbildungsangebote gibt.
Anerkennung der deutscher Ausbildung
In der Bau- und Mechanik-Branche werden deutsche Berufsbilder in der Regel problemlos anerkannt (Elektriker müssen allerdings, wie Gesundheitsberufe, zertifiziert werden). Sehr wichtig ist es, aktuelle, das heißt in den letzten Jahren erworbene, Berufserfahrung nachzuweisen. Gesundheitsberufe werden anerkannt, sobald sie durch die staatliche Gesundheitsbehörde zertifiziert worden sind. Heilerziehungspfleger müssen einige zusätzliche Ausbildungseinheiten absolvieren, bevor sie selbstständig arbeiten dürfen.
… und wie werden ältere Arbeitssuchende aufgenommen?
In der Vermittlungsstatistik des BZ zu Norwegen gibt es mehr unter als über 45jährige. Das liegt aber vor allem daran, dass Ältere diesen Schritt oft einfach nicht mehr wagen. Denn grundsätzlich haben sie gute Chancen und werden problemlos in feste Arbeitsverhältnisse aufgenommen. Vorausgesetzt, sie sind körperlich und fachlich fit , sprechen Norwegisch beziehungsweise Englisch und fügen sich in ihr Team ein. Dies gilt für Bauarbeiter ebenso wie Akademiker, wobei für Letztgenannte die Anforderungen an die Sprachkenntnisse höher sind. In einigen Bereichen, wie beispielsweise bei Schweißern, werden sogar mit Vorliebe erfahrene Handwerker genommen. "Das Alter ist eigentlich irrelevant. Ich habe noch nie von einem norwegischen Arbeitgeber eine Absage mit der Begründung bekommen, "der ist mir zu alt" – und das sind Menschen, die Tacheles reden", sagt Keil.
Die Modalitäten eines Arbeitsverhältnisses sind ähnlich wie in Deutschland: nach meist 6monatiger bestandener Probezeit wird in der Regel ein unbefristeter Vertrag geschlossen.
Kulturelle Unterschiede
Das BZ vermittelt auch landeskundliche Kenntnisse, wie zum Verhalten in norwegischen Teams. So sind zum Beispiel die Gewerke weniger voneinander abgegrenzt als in Deutschland, so dass ein Gas-Wasserinstallateur auch mal eine Wand streichen muss. Absolut tabu ist Alkohol am Arbeitsplatz, auch das Bier nach Feierabend "geht gar nicht", so Keil. Deutsche, die das nicht akzeptieren können, bekommen sehr wahrscheinlich Probleme. Der häufigste Grund, warum Arbeitsverhältnisse wieder aufgelöst werden, sind Mentalitätsunterschiede. Denn die Kehrseite von gutem deutschen Handwerk sei leider gelegentlich "deutsche Besserwisserei und Mäkelei", so Keil.
Der Kurs
Die Ausbildung beinhaltet Sprachunterricht, Landeskunde, die Erstellung der landestypischen Bewerbungsunterlagen, Unterstützung bei der Bewerbung nach Norwegen und Kontakte zu den dortigen Partnern. Der Kurs dauert viereinhalb Monate inklusive Praktikum. Das erklärte Ziel des Programms ist die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis.
65% der Teilnehmer sind ALG I Empfänger, 30% erhalten ALG II; ihnen wird die Kursgebühr von 2500€ von der Agentur für Arbeit finanziert wird, nur ca. 5% tragen momentan die Kosten für die Schulung selbst.
Mehr Informationen und weiterführende Links zum Arbeiten in Norwegen finden Sie im "Aktuellen Webtipp". (Cornelia Neumann, 15.9.08).
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BZ Neuruppin/ |
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