Erfahrung gefragt: ThyssenKrupp Steel reaktiviert pensionierte Fachkräfte
Dr. Klaus Hüttebräucker ist 66 und seit vergangenem Jahr im Ruhestand. Trotzdem fährt er jeden Tag nach Dortmund zu ThyssenKrupp Steel in sein Büro. Denn für das Stahlunternehmen sind sein Wissen und seine Erfahrung immer noch wertvoll.
Der Diplom-Ingenieur und ehemaliger Leiter Technologie arbeitet an der Zukunftsfähigkeit seines ehemaligen Arbeitgebers. Hüttebräucker beschäftigt sich in einer fünfköpfigen Projektgruppe damit, wie die Anlagenwelt und die Produktpalette von ThyssenKrupp Steel im Jahr 2025 aussehen könnte und sollte. Dabei geht es vor allem darum, wie der CO2-Ausstoß reduziert werden kann. Seine Gruppe besteht aus zwei pensionierten und drei aktiven Ingenieuren aus verschiedenen Unternehmensbereichen. Die Forschungsgruppe ist auf 10 Monate angelegt.
Auch vorher war Hüttebräucker schon einmal "reaktiviert" worden: Sein Unternehmen liefert für die Dauer von fünf Jahren einem deutschen Anlagenbauer eines Kaltwalzwerkes in Ägypten Know-How und Beratung durch erfahrene Mitarbeiter. Im Rahmen dieses Projektes verbrachte er acht Monate in Kairo. Das aktuelle Projekt macht ihm besonders viel Spaß, weil er und seine Kollegen neben ihren Erfahrungen auch ihre Phantasie spielen lassen können.
Auch ThyssenKrupp Steel hat in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt Personal abgebaut, und viele seiner ehemaligen Kollegen sind in den Vorruhestand gegangen. Warum hat er das damals nicht getan - und warum arbeitet er auch jetzt noch weiter? Darauf gibt er mehrere Antworten: er ist gesund und leistungsfähig, die Arbeit macht ihm Spaß, er freut sich, seine ehemaligen Kollegen zu treffen, und schließlich ist seine Frau auch noch berufstätig. Stress wäre die Arbeit nur für ihn, wenn es menschliche Probleme und Mobbing gäbe, aber er fühlt sich wohl. "Warum soll ich zu Hause im Garten herum kramen, wenn ich noch fit bin?".
Hüttebräucker und seine Kollegen sind nicht die einzigen "Ruheständler", die weiter für ThyssenKrupp Steel tätig sind. Die Wiedereinstellung von Älteren gibt es im Unternehmen auf verschiedenen Ebenen. Die Abteilung "Consulting" beispielsweise stützt sich häufig auf die Erfahrungen der Ehemaligen. Diese sorgen für den Wissenstransfer, verfassen Handbücher und werden auch vor Ort geschickt, um ausländische Partner des Unternehmens zu unterstützen und zu schulen. Daneben gibt es viele andere Sonderprojekte, für die das Unternehmen Ehemalige gerne wieder einstellt, damit sie ihr Erfahrungswissen anwenden und weiter geben können.
ThyssenKrupp Steel hat damit einen Weg gefunden, die durch Fachkräftemangel entstehenden Herausforderungen aufzufangen. Trotzdem merkt auch Hüttebräucker kritisch an, dass in der Vergangenheit versäumt wurde, die betriebliche Altersstruktur optimal zu mischen. Wie in vielen großen Betrieben wurde Personal durch – sozialverträgliche - Vorruhestandsregeln abgebaut, ohne dass gleichzeitig jüngere Ingenieure eingestellt wurden. Das hat zu einem akuten Fachkräftemangel geführt. Das Beispiel zeigt, dass man durch die Reaktivierung von älteren, leistungsfähigen und motivierten Mitarbeitern aus diesem Dilemma herausfinden kann. Es zeigt aber auch, dass eine demografiefeste Personalpolitik von entscheidender Bedeutung ist. (Cornelia Neumann).
| ThyssenKrupp Steel |
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