Erfolgsfaktor "Erfahrung" - Fachkräftepotenziale unter den Bedingungen des demografischen Wandels
Hat der demografische Wandel etwas mit Unternehmen zu tun? "Sehr viel sogar!" sagt Gerti Mager, geschäftsführende Gesellschafterin bei der GIB Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung in Berlin.
"Viele Unternehmen spüren die Knappheit an verfügbaren Fachkräften schon heute. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen werden zukünftig händeringend nach erfahrenen Fachkräften suchen, wenn sie sich nicht rechtzeitig auf die demografische Entwicklung einstellen."
Fachkräftemangel
Diese Aussage wird durch eine bundesweite wissenschaftliche Befragung zur Fachkräftesituation und -gewinnung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bestätigt, die im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales von der GIB durchgeführt wurde. Darin geben drei von vier Unternehmen an, bereits heute Probleme bei der Deckung des Fachkräftebedarfs zu haben. Darüber hinaus geben über drei Viertel der befragten Unternehmen an, bereits - mehr oder weniger erfolgreich - Maßnahmen ergriffen zu haben, um einem aktuellen oder zukünftig erwarteten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dabei ist derzeit noch eine stark jugendzentrierte Ausrichtung der Maßnahmen festzustellen, die sich insbesondere in einer verstärkten Ausbildungstätigkeit der Unternehmen niederschlägt. Die Chancen, die ältere oder weibliche Fachkräfte sowie Personen mit Migrationshintergrund bei der Fachkräftesicherung spielen können, werden von den Unternehmen hingegen noch seltener genutzt. "Das dürfte sich aber unter Umständen schon bald ändern, denn über 40% der befragten KMU sehen generell Potenzial für die Fachkräftegewinnung bei älteren Personen. Dies verweist auf noch nicht ausgeschöpfte Handlungsoptionen", wie Prof. Dr. Carsten Becker, geschäftsführender Gesellschafter und wissenschaftlicher Leiter der GIB feststellt.
Erschließung neuer Potenziale
Die GIB führt Projekte speziell für kleine und mittlere Unternehmen durch, um genau diese Potenziale zu erschließen. In Abhängigkeit von den jeweiligen strategischen Unternehmenszielen der Unternehmen werden systematisch die zentralen betrieblichen Gestaltungsfelder herausgearbeitet, die sich im Wesentlichen auf Aspekte der strategischen Personalplanung, die Bindung und Rekrutierung von Fachkräften sowie auf Aspekte der Personal- und Organisationsentwicklung konzentrieren. Dabei gilt es, alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zur Altersgrenze zu erhalten und weiter zu entwickeln. In Workshops mit den Unternehmen werden zukunftsfähige Personalstrategien entwickelt und realisierbare Maßnahmen geplant. "Die Möglichkeiten reichen von Einzelangeboten wie z.B. Rückenkurse für Mitarbeiter bis zu strukturellen Lösungen durch Überprüfung und Anpassung von Schichtmodellen." fasst Gerti Mager das Spektrum zusammen. "Letztlich gibt es auch hier kein Patentrezept für alle Unternehmen. Die Lösungen müssen sehr genau an den Anforderungen und Möglichkeiten des einzelnen Unternehmens ausgerichtet werden, um eine maximale Wirkung zu erzielen" so Mager weiter.
Die Vorteile liegen auf der Hand: die Unternehmen erhalten Lösungen zur Bindung und Entwicklung der vorhandenen Fachkräfte sowie zur Erschließung von Leistungspotenzialen speziell bei älteren Mitarbeitern. Das steigert die Leistungsfähigkeit und Motivation aller Mitarbeiter und stärkt auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens unter den Bedingungen des demografischen Wandels.
"Auch wenn beispielsweise die Region Berlin nach offiziellen Schätzungen nicht von einer abnehmenden Bevölkerungsentwicklung betroffen sein wird, werden innerhalb der Bevölkerung doch eine erhebliche Verschiebung der Altersstruktur stattfinden. Daher ist eine demografieorientierte Unternehmenspolitik eine wichtige Wachstumsvoraussetzung für die regionale Wirtschaft insgesamt!" betont Mager.
Am 10. Dezember ist in Berlin eine Veranstaltung zum Thema "Der Fachkräftemangel in Forschung und Praxis" geplant. (Stefan Herzog).
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