Lotsen gesucht - Ehrenamtliche helfen Wohnungslosen
Wohnungslose wieder in Lohn und Brot zu bringen, das ist das Ziel des Projektes "Gut zu tun". Die Freiwilligenagentur "Charisma" sucht dafür "Lotsen", die Wohnungslose bei ihrem Wiedereinstieg ins Berufsleben begleiten und unterstützen.
Das Projekt "Gut zu tun" des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat das Ziel, innerhalb von drei Jahren 500 Wohnungslose, ehemalige Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Seit November 2007 läuft "Gut zu tun", vor drei Monaten konnten die ersten Interessenten vermittelt werden. Sie arbeiten als Umzugs- und Bauhelfer, Hilfsgärtner oder Reinigungskräfte. Von den bislang 12 Vermittelten gehen 10 weiterhin ihrer Beschäftigung nach. Demnächst sollen leichtere Bürotätigkeiten wie Telefondienst und Datenbankpflege dazukommen.
Akquise
Die Wohnungslosen leben nicht auf der Straße, sondern in Einrichtungen mit betreutem Wohnen. Sozialarbeiter von über 100 Berliner Einrichtungen wie Suppenküchen, Arbeits- und Wohnprojekten treffen eine Vorauswahl derjenigen, die für das Projekt in Frage kommen. Wichtigste Voraussetzung für die Teilnahme ist der Wille, wieder zu arbeiten, aber auch die körperliche und fachliche Eignung.
Vor der eigentlichen Jobvermittlung steht die Akquise von Arbeitsplätzen. Die Mitarbeiter von "Gut zu tun" sprechen die Firmen direkt an. Es handelt sich dabei meistens um Arbeitsplätze, die von der Agentur für Arbeit gefördert werden. Vor allem Umzugs- und Gebäudereinigungsfirmen suchen zur Zeit verstärkt Arbeitskräfte und sind deshalb auch bereit, ohne Förderung Mitarbeiter einzustellen. Mit den Jobangeboten gehen die Projektmitarbeiter in die Einrichtungen, stellen die Tätigkeiten vor und geben die Firmendaten an die an Arbeit interessierten weiter. Diese müssen sich dann bei den Arbeitgebern bewerben.
Lotsen gesucht
Bislang begleiteten Sozialarbeiter die Wohnungslosen bei ihren ersten Schritten zurück in die Arbeitswelt. In Zukunft sollen ehrenamtlich Engagierte das übernehmen. Die Freiwilligenagentur Charisma in Berlin sucht deshalb "Lotsen" für das Projekt. Sie sollen die Wohnungslosen bei ihrem Wiedereinstieg in die Arbeitswelt unterstützen und als Bindeglied zwischen ihnen und den Arbeitgebern fungieren. Charisma informiert über die ehrenamtliche Tätigkeit und trifft eine Vorauswahl. Die Lotsen sollen bei Bewerbungen und Behördengängen helfen, den Kontakt zum Arbeitgeber halten und bei Problemen vermitteln. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die moralische Unterstützung - vor allem in der Anfangsphase. Dabei geht es auch darum, einfach nachzufragen, wie der Arbeitstag ablief. Der Zeitaufwand des Lotsen hängt dabei von den individuellen Bedürfnissen der Wohnungslosen ab. Zusätzlich sieht das Projekt regelmäßige Teamtreffen mit fachlicher Begleitung vor, auf denen die Ehrenamtlichen ihre Erfahrungen austauschen können. Eigene Berufstätigkeit, Frustrationstoleranz und Interesse an Wohnungslosen ist Voraussetzung, um Lotse werden zu können. Halten die Mitarbeiter von Charisma einen an dem Projekt Interessierten für geeignet, vermitteln sie ihn an "Gut zu tun" weiter. Erst dann entscheidet der Projektleiter, welcher Ehrenamtliche für welchen Wohnungslosen eine Art Patenschaft übernehmen wird.
Ein Ergebnis neben der niedrigen Abbrecherquote ist, dass weitaus mehr Personen für eine Beschäftigung in Betracht kommen als zunächst erwartet. Auch dürften sich genügend Lotsen finden lassen, denn die Erfahrung von Charisma zeigt: viele Freiwillige suchen gerade die Auseinandersetzung mit einem Personenkreis, der ihnen sonst fremd ist. (Christina Breutner)
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