Masterplan Demografie - die Maschinenfabrik Völkmann GmbH
Im Mittelpunkt des Masterplans "Personalmanagement im demografischen Wandel" der Maschinenfabrik Völkmann GmbH steht die Qualifizierung der Mitarbeiter. So erreicht das Unternehmen zwei Ziele: das Erfahrungswissen bleibt erhalten und die Beschäftigungsfähigkeit wird gesichert.
Die Maschinenfabrik Völkmann GmbH ist ein mittelständisches Familienunternehmen. In Dortmund setzen rund 100 Mitarbeiter Maschinen für Industrie und Bergbau instand und fertigen Maschinenkomponenten. Die meisten der Mitarbeiter sind über 40 Jahre alt. Diese Altersstruktur hat die Geschäftsführerin Wenke Völkmann-Gröne veranlasst, an dem Projekt "Beschäftigungsfähigkeit sichern - Potenziale alternder Belegschaften am Beispiel der Metall- und Elektroindustrie in der Region Dortmund/Hamm/Kreis Unna" teilzunehmen. Die IG Metall und der Unternehmensverband Metall Dortmund haben das Projekt initiiert und zusammen mit Beratungsfirmen umgesetzt. "Alter" sagt die Geschäftsführerin, "war für uns nie ein Kriterium im Betrieb." Als zwei Mitarbeiter in Rente gingen, ging das Know-how für die Zahnradfertigung verloren. Da die Investitionen für die Qualifizierung von Mitarbeitern sehr hoch gewesen wären, entschied sich das Unternehmen, die Fertigung einzustellen. "Das war der Moment: Wir müssen schauen, wo Wissen in nächster Zeit verloren geht und wo wir es aufbauen müssen, weil wir eben sehr stark vom Erfahrungswissen unserer Mitarbeiter leben", erläutert Völkmann-Gröne. Gerade weil der Betrieb oft einzigartige oder alte Maschinen und Bauteile reparieren muss, ist dieses Wissen sehr wichtig. Mehrere Ziele verband sie mit der Projektteilnahme: das Erfahrungswissen der Mitarbeiter erhalten und durch weitergehende Qualifikationen ihre Flexibilität erhöhen, auf einem sich immer schneller wandelnden Markt wettbewerbsfähig bleiben und damit Arbeitsplätze sichern. Außerdem können durch die höhere Flexibilität einseitige Belastungen reduziert und somit Beschäftigungsfähigkeit gesichert werden.
Fragebögen
Eine Analyse der Altersstruktur zeigte, dass das Durchschnittsalter der Belegschaft bei 46,3 Jahren liegt. Zusammen mit einem Mitarbeiter des Projekts entwickelten Geschäftsführung, Produktionsleitung und der Betriebsrat abteilungsbezogene Fragebögen zu fachspezifischen und fachübergreifenden Kenntnissen. Diese beantworteten Mitarbeiter und Vorgesetzte jeweils getrennt. Wichtig war dabei auch die Frage nach dem Interesse an Weiterbildung und dem Potenzial eines Mitarbeiters. Mit Hilfe eines vom Projekt zur Verfügung gestellten EDV-Programms wertete das Projektteam die Fragebögen aus und glich sie mit den Anforderungen an einen Arbeitsplatz ab. Daraus ergab sich der Qualifikationsbedarf der einzelnen Abteilungen.
Masterplan Demografie
Innerhalb eines Jahres wurden die Mitarbeiter etwa 4000 Stunden weitergebildet. "Wir haben da recht viel geschafft und eine große Flexibilität bekommen", freut sich Völkmann-Gröne. Vor allem in Tandems gaben erfahrene Mitarbeiter ihr Wissen an unerfahrenere Kollegen weiter. Mit Erklärungen und Fotos in Arbeitsmappen dokumentierten die Mitarbeiter die einzelnen Arbeitsschritte und sicherten so ihr Erfahrungswissen. Diese Maßnahmen sind jedoch nur ein Teil des Masterplans "Personalmanagement im demografischen Wandel". Ein weiterer ist die Flexibilisierung der Arbeitszeit. So gibt es mittlerweile die Möglichkeit, in Teilrente zu gehen. "Wir profitieren vom Erfahrungswissen des Mitarbeiters und er ist entlastet, da er nicht mehr voll arbeitet", fasst die Geschäftsführerin die Vorteile zusammen. Außerdem sieht der Masterplan die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter durch Schulungen vor.
Zunächst standen die Mitarbeiter dem Projekt skeptisch gegenüber. Sie hatten Angst um ihren Arbeitsplatz. Deshalb wurden sie regelmäßig informiert und in das Projekt mit einbezogen. Das ist sehr wichtig für die Geschäftsführerin, denn "sie sind vor Ort und wissen am besten, wo ihre Schwierigkeiten liegen." So gab es etwa Workshops, und die Meister entschieden über die Zusammensetzung der Tandems.
Höhere Flexibilität
Auch wenn das Projekt schon Mitte 2007 endete, so hat das Ergebnis Völkmann-Gröne überzeugt. Ein Mal im Jahr wird mit Hilfe der Fragebögen der Schulungsbedarf ermittelt. Denn durch die Qualifizierung bleibt dem Unternehmen nicht nur das wichtige Erfahrungswissen erhalten, sondern die Mitarbeiter sind auch breiter einsetzbar. Dadurch kann das Unternehmen flexibler auf Kundenanforderungen reagieren und ist wettbewerbsfähiger. Durch Jobrotation und neue Arbeitsfelder können zudem einseitige körperliche Belastungen in den Werkstätten verringert und die Arbeit altersgerecht gestaltet werden. (Christina Breutner)
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