Nicos Eckball: Ein schwerreicher Fußballfreund "mit Erfahrung"
Die aktuelle Bundesligasaison wird auch von der Diskussion um 1899 Hoffenheim begleitet. Denn der vermeintlich kleinste Bundesligist ist kein Aufsteiger wie jeder andere.
Das liegt insbesondere an Dietmar Hopp (68), der es unter den deutschen Fußballfans zu umstrittener Bekanntschaft gebracht hat. Der betagte Firmenvater der SAP AG ist großer Fußballfreund und milliardenschwerer Unternehmer zugleich - und mit seinen bei 1899 Hoffenheim investierten Millionen hat er entscheidenden Anteil am sportlichen Erfolg.
Fußballfan und regionaler Förderer
Aber gerade diese einsame Klasse des "zahlenden" Stadionbesuchers ist in den Bundesligastadien besonders unbeliebt. Denn inzwischen sieht man das wirtschaftliche Engagement von finanzstarken Investoren auch in der Bundesliga mit großer Sorge. Aber ist Hopp der erste "deutsche Roman Abramovich"? - Nein, mit dem russischen Finanzoligarchen ist er nicht zu vergleichen. Das liegt nicht nur an dem Bundesverdienstkreuz, mit dem der deutsche Softwareunternehmer schon vor Jahren für sein gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet wurde.
Hopp setzt sich bereits seit 1990 für 1899 Hoffenheim ein. Es bedurfte nicht zuletzt unternehmerischer Erfahrung, um seine Elf bis in die Bundesliga zu bringen. Zudem ist 1899 Hoffenheim nur eines unter vielen verschiedenen Projekten, mit denen Hopp seine heimatliche Region voranbringt. Schulen und Kliniken kommt sein Geld ebenso zugute wie sozialen Einrichtungen und immer wieder auch angeschlagenen Unternehmen. Als der "gute Mensch von Rhein und Neckar" ist er in der WirtschaftsWoche bezeichnet worden. Hopp hat mit seinem privaten Reichtum viele Erfolgsgeschichten der ganz eigenen Art geschrieben.
Aufstieg um Aufstieg, ...
Das gilt auch für 1899 Hoffenheim, das vor 15 Jahren noch sechstklassigen Fußball spielte. Schon in wenigen Monaten aber wird die Elf des erfahrenen Ralf Rangnick gegen den FC Bayern antreten. Wie man das finanzielle Engagement von Hopp auch beurteilen mag: Der rasche sportliche Aufstieg von der Landesliga Rhein-Neckar bis in die Bundesliga in eineinhalb Jahrzehnten verdient großen Respekt. Denn mit Geld allein werden noch keine Tore erzielt.
Hopp hat sich mit seinem Geld aber nur wenige Freunde von Hamburg bis Stuttgart und von Mönchengladbach bis Berlin gemacht. Schnell regt sich inzwischen der Unmut, wenn man über jenen kleinen Stadtbezirk im beschaulichen Sinsheim diskutiert, aus dem 1899 Hoffenheim den Weg in die Bundesliga gefunden hat. - Aber ist es nicht denkbar, dass die meisten deutschen Fußballfans auch deshalb so ablehnend von 1899 Hoffenheim sprechen, weil sich Hopp gegen eine Investition in "ihren" Verein entschieden hat?
... bis in die Bundesliga
Sollte sich ein anderer schwerreicher Unternehmer für ein finanzielles Engagement in Hamburg oder Stuttgart, in Mönchengladbach oder Berlin entscheiden, so würde er von den meisten Menschen am Ende mit offenen Armen empfangen. Auch der stimmgewaltigste Protest würde verstummen, sollten die investierten Millionen dauerhaften sportlichen Erfolg bescheren. Denn ein etablierterer Verein als 1899 Hoffenheim ließe sich mit dem dort investierten Geld bis in die UEFA-Champions-League bringen. Geld erweist sich gerade im professionellen Fußball (leider) als immer unwiderstehlicher. Das wird schon bald auch bei anderen Vereinen als 1899 Hoffenheim zu beobachten sein.
Ist die von unternehmerischer Erfahrung begleitete junge Elf von 1899 Hoffenheim eine Bereicherung für die Bundesliga? Diese Frage ist in den vergangenen Wochen noch ein wenig spannender geworden. In jedem Falle ist ein gesellschaftlich engagierter Firmenvater wie Dietmar Hopp eine Bereicherung für den deutschen Fußball. (Nicolas Basse)
1. September 2008
Nicolas Basse ist Redakteur der Rubrik Ratgeber und Fußballfan.
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