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Perspektive 50plus - Arbeitsvermittlung auf der Grundlage von Profilings

"Perspektive 50plus - Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen", so heißt das Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, das der Bund von 2008 bis 2010 mit rund 275 Mio. Euro fördert. In der Region Rhein-Neckar beteiligen sich die Verbundpartner ARGE Job-Center Mannheim, ARGE Heidelberg, die Bundesagentur für Arbeit und die Metropolregion Rhein-Neckar an diesem Projekt zur Verbesserung der Beschäftigungschancen älterer Langzeitarbeitsloser. Das Berufsfortbildungswerk des DGB GmbH (bfw) wurde beauftragt, für die ARGE Job-Center Mannheim so genannte "Profilings" durchzuführen.

Perspektive 50plus - Arbeitsvermittlung auf der Grundlage von Profilings

© matttilda/ fotolia.de

Für Mannheim ist bis 2010 die Integration von 1000 älteren Leistungsbeziehern in den 1. Arbeitsmarkt geplant. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, will das Job-Center Mannheim vor allem das Netzwerk der Mannheimer JobBörsen nutzen. Darüber hinaus sollen, speziell für das Projekt, zusätzliche - auf die Zielgruppe spezialisierte - Vermittler eingesetzt werden.
Grundsätzlich kommen als Zielgruppe alle SGB II-Bezieher, die bis zum 31.12.2010 mindestens ihr 50. Lebensjahr vollendet haben, in Frage. Bevor jedoch in den JobBörsen die speziellen Vermittlungsbemühungen mit den Projektteilnehmern beginnen, werden die Chancen jedes einzelnen auf eine Integration in den 1. Arbeitsmarkt analysiert. Das ist die Aufgabe des bfw: "Über ein Profiling bereiten wir die Vermittlung vor, indem wir zusammen mit den Bewerbern ihre individuelle Ausgangssituation beschreiben und ihre beruflichen Ziele sowie mögliche Wege dorthin vordenken", sagt Karl-Rudi Frisch (51), Fachbereichsleiter im bfw-Bildungszentrum Mannheim und dort zuständig für die Steuerung der pädagogischen Prozesse. Er selbst führt auch Profilings durch.

Bewerber- und Anforderungsprofile
Für das Profiling stehen fünf Tage zur Verfügung. Das Spektrum der Bewerber reicht vom Ungelernten bis zum Akademiker. Frisch: "Die Grundlage des Profilings ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bewerber. Wir verstehen uns als Berater. Uns geht es nicht um irgendwelche 'Schwächen' des Bewerbers‚ sondern um seine Ressourcen beziehungsweise Stärken und darum, wie er sie für seine beruflichen Ziele nutzen kann." Profilinginhalt sind alle potenziellen Anforderungen, die der Arbeitsmarkt an einen Bewerber stellen kann, so zum Beispiel Anforderungen an die Fachkompetenz, die soziale Kompetenz und an die Mobilität des Bewerbers, also beispielsweise die Frage, welchen Anfahrtsweg und welche Arbeitszeiten der Bewerber in Kauf nimmt oder sich vorstellt. "Die Fachkompetenz ist natürlich ein besonders wichtiger Faktor des Bewerberprofils. Die Bewerber haben in der Regel bereits ein längeres Berufsleben hinter sich und dabei viele verwertbare Kompetenzen erworben, derer sie sich nicht immer bewusst sind. Wir beschäftigen uns mit den Qualifikationen des Bewerbers, so z.B. mit Berufsabschlüssen und Berufserfahrungen, aber auch z.B. mit Arbeitszeugnissen oder vorhandenen Führerscheinen. Manchmal 'verstecken' sich Fachkompetenzen auch in Freizeitaktivitäten wie z. B. ehrenamtlichen Tätigkeiten des Bewerbers", sagt Frisch. Bei der Methodik des Profilings stehen Einzelgespräche und Tests im Vordergrund. Getestet werden unter anderem EDV-Kenntnisse oder Sprachkenntnisse wie z. B. Englisch-Kenntnisse. Besonders bei Bewerbern mit so genanntem "Migrationshintergrund" ist oft ein Deutschtest zur Einschätzung der Sprachkompetenz nötig.

Matching
"Unser Auftraggeber erwartet von uns neben den Profilingergebnissen einen Bericht über den Verlauf des Profilings und aussagekräftige Bewerbungsunterlagen. Für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bewerber ist Transparenz wichtig. Deshalb kennt der Bewerber alle Ergebnisse, die wir weiter leiten," sagt Frisch. Der Bericht enthält vor allem auch die Wunschtätigkeit(-en), die der Bewerber gerne in Vollzeit oder in Teilzeit ausüben würde. Darüber hinaus werden mit dem Bewerber gemeinsam Alternativen erarbeitet - also Tätigkeiten "zweiter Wahl" - aus seiner Sicht. Während des Profilings werden mit dem Bewerber die Anforderungsprofile seiner Wunsch- und Alternativtätigkeiten mit seinem eigenen Profil verglichen (Matching). Je besser sich die Profile decken, desto größer kann man die Erfolgschancen für eine Tätigkeit am Arbeitsmarkt einschätzen. Frisch: "Wir sind seit März 2008 mit diesem Auftrag betraut und haben bisher mit ca. 200 Bewerbern zusammen gearbeitet. Hiervon waren aus unserer Sicht ca. 20% 'sofort', d.h. ohne weitere Vorbereitungen wie z.B. Weiterbildungen, in ihren Wunsch- bzw. Alternativtätigkeiten vermittelbar." Solche "weiteren Vermittlungsvorbereitungen" können z.B. Weiterbildungsmaßnahmen sein, die nötig sind, weil ein Bewerber "zu lange" nicht mehr in seinem Beruf gearbeitet hat und seine Fachkenntnisse erst "aktualisieren" muss, um am Arbeitsmarkt "konkurrenzfähig" zu sein. "Die lange Arbeitslosigkeit hat bei manchen Bewerbern ihre Spuren hinterlassen: Das Selbstwertgefühl ist gering und nicht wenige sind sozial isoliert, haben hohe Schulden oder sind alkoholabhängig. In solchen Fällen initiieren wir gemeinsam mit dem Bewerber externe Beratungs- und / oder Therapieprozesse, um zunächst seine persönliche Situation zu stabilisieren," sagt Frisch. Andere Bewerber sind gesundheitlich eingeschränkt und müssen erst eine erfolgreiche Therapie abwarten bzw. können aufgrund chronischer Erkrankungen nur noch wenige Stunden in der Woche (oder gar nicht mehr) arbeiten. Frisch: "Zu Beginn des Profilings sind die Bewerber uns gegenüber oft sehr "skeptisch" und misstrauisch. Wir sehen uns in unserer Arbeit bestätigt, wenn die Menschen während unserer Zusammenarbeit "auftauen" und vielleicht sogar wieder optimistischer in die Zukunft schauen, weil sie einen Weg gefunden haben."

 bfw  bfw

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