Stellenangebote für Azubis 50+

Mit 50 noch mal in die Lehre - diese Möglichkeit bietet die ING-DiBa. Sie setzt bewusst auf altersgemischte Teams und sucht dafür Azubis 50+. Wichtig sind dafür vor allem zwei Dinge: Persönlichkeit und Motivation.

Stellenangebote für Azubis 50+

Ingrid Grimm

Zwei Jahre lang war Ingrid Grimm auf Jobsuche, bevor sie mit 50 noch einmal eine Ausbildung bei der Direktbank ING-DiBa machte. Auf über 120 Stellenangebote hatte sich die Einzelhandelskauffrau beworben und nur Absagen erhalten. "Ich war auf Wolke sieben," beschreibt die Nürnbergerin ihr Gefühl, als sie die Zusage für die Ausbildung "Servicekraft für Dialogmarketing" erhielt. Seit zwei Jahren bietet das Geldinstitut für ältere Arbeitnehmer diese Ausbildung an. Weniger als fünf Prozent aller Bewerber auf Stellenanzeigen der Bank sind 50 oder älter. "Wir möchten gerne altersgemischte Teams. Das ist der Grund, warum ING-DiBa auf Azubis 50+ setzt." erklärt die Ressortleiterin für Aus- und Weiterbildung, Birgit Mogler.

Persönlichkeit und Motivation wichtiger als Lebenslauf
An drei Standorten bildet die Direktbank mittlerweile Azubis 50+ aus: in Frankfurt zum Bankassistenten und in Hannover und Nürnberg zur "Servicekraft für Dialogmarketing". Am Anfang des Auswahlverfahrens steht die Persönlichkeit der Bewerber im Vordergrund. Auf Empfehlung der Job-Center präsentieren sie sich zunächst ohne Lebenslauf und Bewerbungsunterlagen. "Oftmals sind die Lebensläufe von den Bewerbern 50+ recht krumm. Der Lebenslauf gibt nicht unbedingt Aufschluss über den Bewerber. Mir persönlich war es wichtiger, die Menschen kennenzulernen und zu wissen, ob sie gut mit unseren Kunden kommunizieren können." erläutert Mogler. Denn diese Kompetenz ist für den Erfolg einer Direktbank mit täglich etwa 35.000 Kundenanrufen besonders wichtig. Nach der Präsentation folgte für Grimm wie für die anderen Bewerber ein mehrteiliges Auswahlgespräch. Dabei musste sie ein Rollenspiel absolvieren, ein fiktives Telefonat und eine Gruppendiskussion führen. Durch ihre Persönlichkeit und ihre Motivation konnte sie überzeugen. "In allen drei Übungen habe ich Frau Grimm als sehr kommunikativ und kundenorientiert erlebt. In der Gruppendiskussion hatte ich das Gefühl, sie verfügt über eine sehr hohe soziale Kompetenz. Und sie hat das ausgestrahlt: ich will das jetzt, ich will diese Chance haben und werde die auch ordentlich nutzen." erinnert sich Mogler. Schon vor dem eigentlichen Ausbildungsbeginn bestätigte sich dieser Eindruck. Da die ehemalige Schuhverkäuferin und Filialleiterin über keine PC-Kenntnisse verfügte, lernte sie innerhalb eines Monats den Umgang mit dem Computer.

Ausbildung
Wie alle Azubis 50+ erhielt Grimm einen Praktikumsvertrag von der Bank. Während ihrer neunmonatigen Ausbildung erhielt sie weiter Arbeitslosengeld. Die Einsteigerschulung über vier Wochen absolvierte sie zusammen mit jungen Azubis; eine durchweg positive Erfahrung: "Wichtig war die Zusammenarbeit bei der Ausbildung. Wir waren einfach immer ein Team. Die jungen Azubis haben uns während der Schulung richtig unterstützt, wenn wir es mal nicht hin gekriegt haben." Auch die Aus- und Weiterbildungsleiterin bestätigt das: "Die Jungen haben den Älteren ihr Wissen in Bezug auf Computer weitergegeben und die Älteren an die Jüngeren ihre Lebenserfahrung. Sie haben ihnen gezeigt, welche Ansprache der Kunde gerne hätte. Sie haben gesagt: "Das kommt beim Kunden nicht so gut an, man muss sich ein bisschen anders ausdrücken." Im Anschluss an die Einsteigerschulung war Grimm drei Tage die Woche in der Direktbank und zwei Tage bei einem Bildungsträger. Am Ende standen die erfolgreich absolvierte IHK-Prüfung zur "Servicekraft für Dialogmarketing" und der Arbeitsvertrag bei der ING-DiBa.

Altersmix
Vor allem den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit unter den Kollegen schätzt sie sehr. Dass ihre Lebens- und Berufserfahrung von Vorteil ist, merkt die inzwischen 52jährige auch bei den täglichen Kontakten mit den Kunden: "Da ist man schon etwas erfahrener als ein junger Mensch, wenn die Kunden mal ihr Leid klagen." Auch Mogler schätzt die Erfahrung der älteren Mitarbeiter bei Konflikten und in Veränderungsprozessen: "Da gibt es ganz viel Lebens- und Berufserfahrung, die einem altersgemischten Team gut tut, wenn man sich da austauscht." Mit den Azubis 50+ hat sie bislang nur gute Erfahrungen gemacht und beobachtet auch eine sehr große Akzeptanz im Unternehmen. Sie ist sich sicher: "Wenn eine Motivation da ist, ein Ziel, eine Perspektive, dann können auch Ältere sehr gut lernen." (Christina Breutner)

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