Wandel gestalten - Beschäftigungsfähigkeit sichern

Mit der veränderten Altersstruktur der Gesellschaft wird auch die Zahl älterer Arbeitnehmer immer größer. Die Eduard Hueck GmbH will regelmäßig Checks und Workshops durchführen, um besondere Belastungen zu erkennen und ihnen entgegen zu wirken.

Die Eduard Hueck GmbH & Co. KG ist ein mittelständisches Unternehmen mit rund 650 Mitarbeitern. Im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid stellt es Aluminiumprofile für die Elektro-, Automobil- und Möbelindustrie, sowie Profile für Türen, Fenster und Fassaden her. Zwei Drittel der Beschäftigten sind über 35. Es ist eines der Partnerunternehmen des Projektes "Betriebliche Beschäftigungsfähigkeit im demografischen Wandel" (demoBiB) der Technologieberatungsstelle (TBS) beim DGB Nordrhein-Westfalen e.V. Nach einer Informationsveranstaltung mit dem Projektteam Anfang 2007 waren sich Personalleitung und Betriebsrat darüber einig, das Thema gemeinsam anzugehen. Harald Hommel ist der Personalleiter des Unternehmens und sich der Probleme bewusst, die mit dem demografischen Wandel einhergehen, wie steigende Zahl älterer Arbeitnehmer und Nachwuchsmangel. "Wir haben gesagt, wir wollen proaktiv darauf zugehen und die Dinge steuern." Hommel verbindet mit der Teilnahme an demoBiB zwei Ziele: "Wir wollen sicherstellen, dass wir qualifizierte Fachkräfte für das Unternehmen haben und auf der anderen Seite die Arbeitsbedingungen so gestalten, dass auch ältere Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz ausfüllen können." In einzelnen Abteilungen wie dem Qualtitätswesen sind bereits jetzt fast alle Mitarbeiter 50 und älter.

Check
Um den Handlungsbedarf zu ermitteln, führte das Unternehmen zunächst in zwei Abteilungen - aus dem technischen und dem gewerblichen Bereich - den von demoBiB entwickelten UnternehmensCheck durch. Dabei wird mit Hilfe eines Fragenkatalogs ermittelt, wie gut oder schlecht ein Unternehmen auf den demografischen Wandel eingestellt ist. Die demoBiB-Mitarbeiter fragen sechs Dimensionen der Beschäftigungsfähigkeit wie Kompetenz, Gesundheit, Lernfähigkeit, Integration, (Selbst-)Management und Verantwortung ab. Das überraschende Ergebnis war, dass nicht die körperliche Anforderung als größte Belastung empfunden wurde, sondern Stressfaktoren wie Zeitdruck oder fehlendes Material. "Dadurch konnten die Arbeiten nicht so durchgeführt werden wie geplant. Der Mitarbeiter fühlt sich unter Druck gesetzt. Das belastet ihn und führt auch zu Spannungen in der Abteilung." erläutert der Personalleiter das Ergebnis.

Maßnahmen
Den Checks folgten Workshops. Zusammen mit den Beschäftigten entwickelten die demoBiB-Mitarbeiter Lösungsansätze. So sollen die Arbeitsabläufe verändert werden, damit der Materialfluss besser gewährleistet wird. Außerdem sollen die Mitarbeiter besser qualifiziert werden und künftig selbst in der Lage sein, Umrüstarbeiten an einer Produktionsmaschine vorzunehmen. Dadurch können sie breiter eingesetzt werden, sich gegenseitig vertreten und ein besseres Verständnis für die Arbeitsabläufe entwickeln. Unabhängig von demoBiB bietet das Unternehmen Weiterbildungsmöglichkeiten zum Thema Gesundheit an: So gibt es Rückenschulungen, da Bandscheibenvorfälle relativ häufig sind oder Schulungen, wie die Schichtarbeit durch angepasste Lebensgewohnheiten verträglicher gestaltet werden kann.

Insgesamt sieht Hommel keinen großen Handlungsbedarf: "Ich denke, dass wir dem demografischen Wandel bis zu einem gewissen Grad gelassen ins Auge sehen können, dass die Arbeitsplätze, so wie sie vorhanden sind, in der Regel bis zum Rentenalter ausgefüllt werden können." Dennoch plant der Betrieb regelmäßig in allen Abteilungen den UnternehmensCheck der TBS NRW und Workshops durchzuführen und zu fragen, welches die besonderen Belastungen sind und wie sie behoben werden können. Ein unternehmensinterner Moderator soll diese Maßnahmen begleiten. Wichtig ist für den Personalleiter auch die Gewinnung von qualifiziertem Nachwuchs. Deshalb bietet das Unternehmen unter anderem Schülerpraktika und ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm für die Auszubildenden an.

Die Mitarbeiter haben positiv und mit großem Interesse auf das Projekt reagiert. Für Hommel steht fest, dass beide Seiten davon profitieren: "Für die Arbeitnehmer verbessert sich die Arbeitssituation und für das Unternehmen auch; Abläufe werden verbessert, die Qualifizierung steigt durch die Bank. Dabei kann man eigentlich nur gewinnen." (Christina Breutner)

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