Weiterbildung mit Ziel
An Universitäten gibt es die Möglichkeit sich als Gasthörer weiterzubilden. Die TU Berlin bietet mit "Berliner Modell: Ausbildung für nachberufliche Aktivitäten" (BANA) ein Kurzstudium speziell für Menschen ab 45 mit einem eigenen Lehrplan an. Wer möchte, kann mit einem Zertifikat abschließen.
Seit 20 Jahren bietet die TU Berlin für ältere Erwachsene das zweijährige Kurzstudium "Berliner Modell: Ausbildung für nachberufliche Aktivitäten" (BANA) an. Das Ziel von BANA ist, dass die Teilnehmer ihr neu erworbenes Wissen für eine ehrenamtliche Tätigkeit nutzen können. Die Zielgruppe sind Erwachsene ab 45, die nicht berufstätig sind oder nach der Familienphase mehr Zeit für sich haben. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine zehnjährige Berufstätigkeit, wobei Familien- und Erziehungsarbeit anerkannt wird. Sabine Gieschler ist die stellvertretende Leiterin von BANA und fast von Anfang an mit dabei. Besonders wichtig ist ihr, dass das Studium im Gegensatz zu den meisten Gasthörerangeboten anderer Universitäten einen eigenen Lehrplan hat und die Möglichkeit bietet, ein Zertifikat zu erwerben. So müssen die Studierenden Pflicht- und Wahlveranstaltungen belegen und an Theorie-Praxis-Projekten teilnehmen, bei denen sie zum Beispiel recherchieren, Interviews führen und Präsentationen machen. Viele, so Gieschler, bürden sich am Anfang zu viel auf und unterschätzen den Zeitaufwand für die Vor- und Nachbereitung der Lehrveranstaltungen. Die Erziehungswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung hält selbst BANA-Seminare ab und empfiehlt maximal zehn bis zwölf Wochenstunden.
Schwerpunkte
Die Studierenden können zwischen drei Schwerpunkten aus dem gesellschaftlichen Aufgabenfeld wählen. Bei "Stadtentwicklung und gesellschaftliches Zusammenleben" beschäftigen sie sich mit der Stadt als Lebensraum unter städteplanerischen, soziologischen und kulturellen Fragestellungen. Die Teilnehmer eignen sich auch Kenntnisse über Stadtentwicklung und -geschichte an. Im Mittelpunkt des Schwerpunktes "Umwelt" stehen ökologische Fragen, die insbesondere im städtischen Umfeld ein Rolle spielen. Der dritte Schwerpunkt ist "Ernährung/Gesunderhaltung". Hier erwerben die Studierenden Kenntnisse über Nahrungsmittel, deren Be- und Verarbeitung sowie über allgemeines Ernährungsverhalten und dessen Folgen. Auch Bio- und Gentechnologie sind Inhalte. Gieschler hat festgestellt, dass "Ernährung/Gesunderhaltung" besonders bei Frauen begehrt ist. Die zur Zeit 250 bis 300 "BANAS", wie die Studierenden sich selbst nennen, verteilen sich insgesamt gleichmäßig auf alle drei Schwerpunkte.
Fruchtbarer Austausch
Während sich anfangs fast nur Frauen für BANA entschieden, sind inzwischen 15 Prozent der BANAS Männer. Das Interesse an BANA ist groß, so Gieschler. Pro Semester gibt es jedoch nur 50 Studienplätze, da die "BANAS" für weiterführende Fachinformationen zusammen mit den jüngeren Studierenden Seminare und Vorlesungen der TU Berlin besuchen. Das gemeinsame Studieren von jüngeren und älteren kommt gut an. "Wir haben erlebt, dass Dozenten, die aufgetaucht waren in unserem Vorlesungsverzeichnis und ein Semester mal nicht, uns geschrieben haben: Warum kommen wir nicht vor? Wir wollen die "BANAS". Das ist sehr fruchtbar. Sie bringen ihr Erfahrungswissen mit und die Studierenden profitieren davon." erzählt Gieschler.
Wer sich entscheidet, das Studium mit einem Zertifikat abzuschließen, muss dafür eine 30- bis 40-seitige Abschlussarbeit schreiben und eine mündliche Prüfung ablegen. Ihr Wissen setzen die BANA-Teilnehmer im eigenen Stadtteil, in Gemeinden und sozialen Einrichtungen und in kulturellen und ökologischen Projekten ein. Die Motivation für ein Studium wie BANA ist Gieschlers Meinung nach, dass die Älteren weiter gesellschaftlich aktiv bleiben, etwas Sinnvolles machen und sich mit Bildung beschäftigen wollen. Gieschler hat außerdem eine weitere interessante Beobachtung gemacht: "Je länger die hier studieren, desto jünger werden sie." (Christina Breutner)
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