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Zurück in die Arbeitswelt

Der von der Agentur für Arbeit geförderte Lehrgang "Fit for Business pro 50" richtet sich an ältere Arbeitslose. Im Mittelpunkt der Weiterbildung steht neben der reinen Wissensvermittlung die Stärkung des Selbstwertgefühls.

Zurück in die Arbeitswelt

Ursel Klein

Ursel Klein ist 55 und Bürokauffrau. Von Mai bis November 2007 nahm sie nach über dreijähriger Arbeitslosigkeit an der Qualifizierungsmaßnahme "Fit for Business pro 50" teil. Die Bundesagentur für Arbeit hatte sie über diese Weiterbildung informiert und die Kosten übernommen. Nicht nur die sozialen Kontakte fehlten ihr, sondern auch Selbstbewusstsein: "Sie sagen sich: Mein Gott, ich bin über 50. Das, was ich kann, kann jeder." Als besonders hilfreich empfand sie die individuelle Betreuung bei Bewerbungen. Sie lernte, wie sie ihre Erfahrungen positiv herausarbeiten und überzeugend darstellen kann - und das passend zur Stellenausschreibung.

Drei Bausteine
Das Ziel des sechsmonatigen Lehrgangs ist die Rückkehr der Teilnehmer in die Arbeitswelt. Inhaltlich ist er in drei Module unterteilt. Im ersten, "Selbstmanagement und Fit for Office", sollen sich die Teilnehmer ihrer Stärken und Schwächen und ihrer beruflichen Zielrichtung bewusst werden. Außerdem sollen sie ihre Arbeitsmarktchancen erkennen - entweder als Arbeitsplatzsuchende oder als Existenzgründer. Parallel dazu lernen sie den Umgang mit moderner IT-Technik wie dem Office-Paket und Internet. Im Vordergrund stehen praxisrelevante, anwendungsbezogene Themen. Wolfgang von Berg ist Projektleiter bei dem Bonner Beratungs- und Trainingsunternehmen Synergie Vertriebs Dienstleistung GmbH, das den Lehrgang entwickelt hat und ihn für die Agentur für Arbeit durchführt. Für den 63jährigen ist der Praxisbezug besonders wichtig: "Die Teilnehmer sollen die IT-Technik anwenden können, um damit auch wirklich ihre Beschäftigungsfähigkeit zu fördern." Dahinter steht auch die Erkenntnis, dass Ältere anders als Jüngere wissen wollen, warum sie etwas lernen und was der Nutzen ist. Das zweite Modul ist "Kundenorientierung und Kommunikation". Dabei geht es um Themen wie Markterschließung und Verhandlungstechniken. Egal ob nun Existenzgründer oder Arbeitsplatzsuchender, beide müssen in ähnlichen Strukturen denken, so von Berg. Bei dem einen sei es sein Produkt, das er auf den Markt bringen will, bei dem anderen sei er selbst das Produkt. In Praxisprojekten wird das trainiert. So gibt es beispielsweise simulierte Kunden- und Bewerbungsgespräche. Das dritte Modul, "Projektmanagement", folgt dem Lehrplan der IHK Bonn. Auch hier lernen die Teilnehmer anhand von Beispielaufgaben Projekte umzusetzen und schließen es mit einer Prüfung vor der IHK ab.

50 Prozent in Lohn und Brot
Gelernt und geübt wird an zwei Präsenztagen in der Woche und die anderen drei Tage im virtuellen Klassenzimmer "LiveOnline". Die Projekte werden einzeln oder in Gruppen bearbeitet. Die etwa 20 Teilnehmer eines Kurses müssen eine Berufsausbildung und PC-Kenntnisse haben. Zwei Drittel der Teilnehmer sind Fach- oder Führungskräfte mit großer Erfahrung, so von Berg. Wichtig sei ein respektvoller Umgang mit der Altersgruppe. So begreifen sich die Trainer auch eher als Moderatoren und nicht als Lehrer.

Seit Januar 2007 hat die Synergie Vertriebs Dienstleistung GmbH sechs solcher Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt. Die Hälfte der Teilnehmer hatte am Ende oder spätestens nach sechs Monaten einen Arbeitsplatz oder war selbstständig.

Erfolgreiche Strategie
Um als älterer Bewerber erfolgreich zu sein, ist es wichtig, eine Bewerbung gezielt auf eine Ausschreibung auszurichten, rät von Berg: "Das ist klar, wenn jemand über 50 ist und viel Berufserfahrung hat, der könnte einen Lebenslauf schreiben, der ein ganzes Buch umfasst." Es muss seiner Erfahrung nach das im Vordergrund stehen, was für eine Stelle als Kompetenznachweis dient. Zu einer gezielten Bewerbung gehört seiner Ansicht nach auch, sich über die Firma und ihre Hintergründe zu informieren. Außerdem empfiehlt er Älteren, ihr Beziehungsnetz zu nutzen und durch den Besuch von Veranstaltungen oder Messen oder durch Direktansprachen auszubauen.

Ihr persönliches Netzwerk hat auch Ursel Klein genutzt. Sie arbeitet inzwischen als kaufmännische Angestellte und ist auch für neue Dinge offen. Sie arbeitet sich in die Abfrage von Datenbanken ein und war auch zu einer Vier-Tage-Woche bereit. Die Weiterbildung würde sie noch einmal machen. Denn dadurch hat sie gelernt, ihre Kompetenzen nicht als selbstverständlich hinzunehmen. (Christina Breutner)

        Fit for Business pro 50

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